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Im Folgenden haben wir für Sie häufig gestellte Fragen zur Ausbildung zum/zur Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten/-in (KJP), zum Beruf des KJP und zur Anerkennung von Inhalten der KJP-Ausbildung für eine Doppelapprobation als Psychologischer Psychotherapeut zusammengestellt und beantwortet. Bitte beachten Sie, dass unsere Auskünfte nicht rechtsverbindlich sind.


 

Ich bin sehr an der Arbeit mit Minderjährigen interessiert. Sollte ich die Ausbildung zum/zur Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten/-in absolvieren, oder bin ich mit der Ausbildung zum/zur Psychologischen Psychotherapeuten/-in breiter qualifiziert?

Antwort: Psychologische Psychotherapeuten/-innen (PP) sind berufsrechtlich dazu befugt, Patienten aller Altersgruppen zu behandeln. Mit den Krankenkassen abrechnen dürfen sie jedoch nur die Behandlung von Patienten, die das 18. Lebensjahr vollendet haben. Es ist für Psychologische Psychotherapeutinnen und -therapeuten allerdings möglich, durch eine Zusatzqualifikation auch die Abrechnungserlaubnis für die Therapie mit Kindern und Jugendlichen zu erhalten.

Psychologinnen und Psychologen, die die Kinder- und Jugendlichenpsychotherapieausbildung (KJP) absolvieren, können Personen bis zum 21. Lebensjahr behandeln. Anders wie bei der PP-Ausbildung erhalten Psychologen mit KJP-Ausbildung die Berechtigung zur psychotherapeutischen Behandlung von Patienten, die das 21. Lebensjahr beendet haben, durch eine Doppelapprobation. Abhängig vom Bundesland, in der die Doppelapprobation angestrebt wird, werden in unterschiedlichem Ausmaß Anteile der Erstausbildung für die Zweitapprobation angerechnet (Genaueres hierzu siehe Fragen 2 und 3).

Aufgrund dieser gesetzlichen Regelungen entscheiden sich die meisten Psychologieabsolventen für die Ausbildung in Psychologischer Psychotherapie, auch wenn sie sich vor allem für die Behandlung von Kindern und Jugendlichen interessieren. Eine aktuelle Umfrage der Fachgruppe Klinische Psychologie und Psychotherapie der Deutschen Gesellschaft für Psychologie (DGPs) sowie dem Verbund universitärer Ausbildungsgänge für Psychotherapie (unith) vom Februar 2013, an der fast 3000 Psychologiestudierende teilnahmen, macht deutlich, dass sich unter den aktuellen rechtlichen Bedingungen lediglich 14 % der Befragten für eine Ausbildung zum/zur Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten/-in entscheiden würden. Unter der Prämisse einer Gleichstellung der Ausbildung in den Altersschwerpunkten Kinder- und Jugendliche sowie Erwachsene – wie es durch den Entwurf der Bundespsychotherapeutenkammer für die Novellierung des Psychotherapeutengesetzes sowie den DGPs-Vorschlag für ein universitäres Direktstudium Psychotherapie ermöglicht werden würde -  würden sich entsprechend der oben genannten Umfrage hingegen 46 % der Psychologieabsolventen für den Altersschwerpunkt Kinder- und Jugendliche entscheiden.

Die Präferenz für die PP-Ausbildung bei Psychologinnen und Psychologen ist unter den aktuellen rechtlichen Bedingungen verständlich. Inhaltlich betrachtet erlaubt jedoch die PP-Ausbildung mit Zusatzqualifikation nur eine vergleichsweise schmale Einführung in die Störungsbilder und psychotherapeutischen Interventionen im Kindes- und Jugendalter. Dies ist insbesondere deswegen der Fall da das Fach der Klinischen Kinder- und Jugendpsychologie nur an wenigen Psychologischen Instituten grundständig gelehrt wird und somit bei den meisten PP kein Vorwissen zu diesen Störungsbildern vorliegt. Im Rahmen einer grundständigen KJP-Ausbildung lernen Sie jedoch vom ersten Tag an spezifische Behandlungstechniken für die Behandlung von Kindern und Jugendlichen und werden damit Spezialist für die Behandlung dieser Altersgruppe. So wird auch in Ihrem Titel "Kinder und Jugendlichenpsychotherapeut/-in" unmissverständlich deutlich, dass Sie Experte/-in für die Behandlung dieser Altersgruppe sind.

Kann ich als Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut/-in eine zweite Approbation in Psychologischer Psychotherapie (PP) erlangen? Können mir dabei Teile der ersten Ausbildung angerechnet werden?

Antwort: Der §5 des Psychotherapeutengesetzes regelt die Anerkennung von anderen abgeschlossenen Ausbildungen auf die Ausbildung. Dabei heißt es, dass die zuständige Behörde auf Antrag eine andere abgeschlossene Ausbildung im Umfang ihrer Gleichwertigkeit anrechnen kann. In einigen Bundesländern, unter anderem in Baden-Württemberg, Hessen und Brandenburg werden Ihnen,  wenn sie nach Ihrer KJP-Approbation eine zweite Approbation in PP erwerben möchten, für die dafür notwendige grundständige PP-Ausbildung bis zu 2/3 der KJP-Ausbildung anerkannt. In diesen Ländern müssen somit etwa 1/3 der PP-Ausbildung erbracht werden. Dies entspricht in etwa dem Zeitaufwand den PP für die Zusatzqualifikation KJP aufbringen müssen. Die KJP-Ausbildung stellt somit für Psychologinnen und Psychologen in den meisten Bundesländern nicht länger eine "Einbahnstraße" dar.

Kann ich mich mit einem Bachelorabschluss in (Sozial-)Pädagogik an unith-Instituten für Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie (KJP) bewerben?

Für die Bachelor-/ Masterstudiengänge ist es aktuell vom jeweiligen Bundesland abhängig, ob formal für die Zulassung zur KJP-Ausbildung ein Bachelorabschluss in einem (sozial-) pädagogischen Fach ausreicht, oder ob ein Masterabschluss gefordert wird. Wir vertreten jedoch die Ansicht, dass ein Bachelorabschluss keinesfalls ausreichend für die KJP-Ausbildung qualifiziert. Daher fordern alle unith-Institute einen Masterabschluss als Zugangsvoraussetzung zur KJP-Ausbildung. Diese Meinung vertreten auch die großen berufspolitischen Verbände. Zentrale Organisationen wie der Deutsche Psychotherapeutentag (DPT) sowie die Bundesarbeitsgemeinschaft der Trägerverbände staatlich anerkannter Ausbildungsinstitute für Psychologische Psychotherapie und Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie (BAG) fordern einen Masterabschluss als Zugangsvoraussetzung für die KJP-Ausbildung.

Stimmt es, dass Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten/-innen weniger verdienen als Psychologische Psychotherapeuten/-innen?

Als niedergelassene(r) Psychotherapeut/-in werden die Leistungen von Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten von den Krankenkassen genauso honoriert wie die von Psychologischen Psychotherapeuten. In Kliniken werden Psychotherapeuten häufig nach ihrem Grundberuf (z.B. Psychologie, Sozialpädagogik) vergütet. In diesem Fall verdient ein Psychologe in einer kinder- und jugendpsychiatrischen Einrichtung in der Regel genauso viel wie in einer Psychiatrischen Klinik für das Erwachsenenalter. Die Vergütung nach dem Grundberuf ist jedoch nicht verpflichtend, so dass es hier auch abweichende Regelungen geben kann.

Kann ich als Psychologische(r) Psychotherapeut/-in eine zweite Approbation in Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie (KJP) erlangen? Können mir dabei Teile der ersten Ausbildung angerechnet werden?

Als Psychologischer Psychotherapeut können Sie neben der KJP-Zusatzqualifikation auch eine zweite Approbation in KJP erwerben. Hierzu absolvieren Sie nach ihrer PP-Ausbildung eine grundständige KJP-Ausbildung. Hierbei können Ihnen Teile der PP-Ausbildung anerkannt werden (siehe auch Punkt 2), wobei der Umfang vom jeweiligen Bundesland abhängig ist. In Baden-Württemberg und Hessen sind es z.B. 2/3 der PP-Ausbildungsinhalte.